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Wenn die Software stutzig wird

Videoüberwachung und Bildanalyse als fundamentale Sicherheitsmaßnahme im Einzelhandel

Nicht neu ist für den Einzelhandel die Erkenntnis, dass Kameras dabei helfen können, Ladendiebe zu ertappen und zu überführen. Wenig überrascht sein dürfte der Sicherheits-Verantwortliche zudem über die Tatsache, dass sich die Kameras inzwischen auch mit der Kasse koppeln lassen, um Unregelmäßigkeiten beim Bezahlen aufzuspüren. Dennoch entsteht dabei oft der falsche, besser: unvollständige, Eindruck, dass Videoüberwachung nur eine von mehreren Sicherheitsmaßnahmen sei. Dem technischen Stand der Dinge entspricht das längst nicht mehr: Videoüberwachung lässt sich durchaus als fundamentales Sicherheitskonzept einführen, das womöglich ganz ohne andere Vorkehrungen auskommt. Vorausgesetzt natürlich, das System ist so leistungsfähig wie "RuViCon". Von Marcus Heide


Die Tricks von Ladendieben und unehrlichem Personal sind vielseitig. Artikel verschwinden unterm Mantel oder in der Einkaufstasche oder werden unbezahlt auf der unteren Ablage des Einkaufswagens an der Kasse vorbeigeschoben. Ebenso kommt es vor, dass Komplize Kassierer nur drei der fünf Artikel einscannt. Das Management der Kaufhäuser, Discounter, Filialen und Einzelläden begegnet den Inventurdifferenzen mit Schulung des Personals, Detektiven, elektronischer Artikelsicherung (EAS) und Videoüberwachung.

Ob sich der Sicherheits-Verantwortliche nun auf nur eine dieser Maßnahmen verlässt oder einer Kombination den Vorzug gibt, hängt oft von seinen persönlichen Erfahrungen und überzeugungen ab. Klagen hört man dennoch immer wieder, vor allem darüber, dass die Personalkosten zu hoch seien, um die Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen. Denn der EAS-Alarm beispielsweise genügt sich ja nicht selbst. Entweder muss der Doorman, der Ladendetektiv oder das Verkaufspersonal darauf reagieren; gerade Letzteres ziert sich gern. Vom Fehlalarm mal ganz abgesehen.

Die Videoüberwachungstechnik in ihrer ausgereiften Form hat dagegen den Vorteil, dass sich die Zahl der Personen, die damit agieren und darauf reagieren, eng begrenzen lässt. Denn die Technik überwacht nicht nur das Geschehen im Verkaufsraum, an der Kasse oder auf den Parkplätzen, sondern sie gibt auch eine erste Bewertung ab, wenn sie "glaubt", einer Unregelmäßigkeit auf die Spur gekommen zu sein.

Möglich wird das einerseits durch das softwaretechnische Vermögen, mit Hilfe spezieller Algorithmen Bewegungsabläufe sowie Umgebungsverhältnisse zu klassifizieren und sie als "normal" oder "verdächtig" zu bewerten. Andererseits spielt die Vernetzung eine wichtige Rolle, also beispielsweise die Kopplung des Bildmaterials mit den Vorgängen am Kassencomputer. Dieser wird über die TCP/IP-Schnittstelle mit dem Server verbunden und jeder Scan-Vorgang als Videosequenz archiviert.



Videobasierende Sicherheits-Plattform

Diese nüchternen Fakten klingen gleich ganz anders, wenn H.-Günter Fischer auf sie zu sprechen kommt. Er ist Geschäfts- führer von accent dialog system. Das Unternehmen hat sich auf Sicherheits- sowie Warensicherungstechnik spezialisiert und vertreibt RuViCon. Fischer weiß die Technik in den schillernsten Farben und vor allem in den stärksten Leistungsmerkmalen zu schildern: "RuViCon ist die videobasierende Sicherheits-Plattform für alle Anwender und dient als eine Art Blackbox für den Anschluss weiterer Systeme." Es ist dabei nur konsequent, dass er praktisch nie von einem Videoüberwachungssystem spricht, denn das visuelle Erfassen von Situationen ist ja nur die Basis der folgenden Auswertung.

"Natürlich kann der Anwender mit dem System zunächst einmal die klassischen überwachungsaufgaben bewältigen, also beobachten, aufzeichnen, abspielen, archivieren, übertragen und exportieren", erklärt Fischer. "Das gilt im übrigen für den Einsatz in allen Branchen, also auch in der Industrie, bei Banken, Büros, Logistikbetrieben oder auf ßughäfen. Möglich ist das durch spezielle, branchenbezogene Erweiterungsmodule, etwa für den Einzelhandel." Seine Ausführungen bleiben übrigens nicht bloße Behauptung. Auf seinem Laptop, das er zu jedem Präsentationsgespräch mitbringt, hat er auch die ausgefallensten Kassensituationen auf Lager und zeigt, wie Ru- ViCon sie in den Griff bekommt. Da ist zunächst einmal die ganz einfache Kassenanbindung: Kameras, die auf die Kassen gerichtet sind, speichern die Bilder aller Vorgänge und verknüpfen die Bildinformationen mit den Kassendaten und ihrer Auswertung. Dazu gehören auch die Speicherung der Belege sowie die synchrone Anzeige alle Informationen zugleich. So gibt es " wenn gewünscht " für jede Bon-Zeile das dazugehörige Bild: Zum Bio-Vollkornbrot für 2,29 Euro gehört ebenso ein Schnappschuss wie zur elektronischen Personenwaage für 29,95 Euro.



Mit dem Blick auf den Monitor alles im Griff


Zum Ladenschluss stehen der Filialleitung dann mit wenigen Handgriffen die unterschiedlichsten Auswertungsmöglichkeiten zur Verfügunge, etwa Sofort- und Zeilenstorno, Preiskorrektur, Bon-Storno- Code 25, Retouren, Rabatte, Personal- und Freundschaftskäufe, Sichtung bestimmter Zeitabschnitte und Zahlungen per Kreditkarte oder Fingerabdruck, Kundschaft ohne Transaktion und Transkation ohne Kundschaft. Alle Daten sind vor dem Löschen 99 Tage geschützt.

Das Erweiterungsmodul "Kassenanbindung" wurde für Einzelhandelsmärkte entwickelt wurde, die über netzangebundene Kassen (TCP/IP, UDP) verfügen. "Wir verfügen unter anderem über die Zulassung zur Anbindung an alle dem Rewe-Konzern zugehörigen Supermärkte", erzählt Fischer stolz. In der Praxis bedeutet die Kassenanbindung, dass alle Daten, die über die Kassen an den RuViCon-Videoserver gesendet werden, an die entsprechenden Bilder geknüpft sind. An jedem virtuellen Bon hängt sozusagen ein ganzer Ordner voller Bilder, die aufgezeichnet wurden, als der Bon erstellt wurde. Umgekehrt hängt an jedem Bild der dazugehörige Bon nebst Bon-Zeile. Darüber hinaus lassen sich entsprechende Daten empfangen, wenn ein Kunde beispielsweise mit ecoder Kreditkarte, per Fingerabdruck oder mit einem Gutschein bezahlt. Sobald das System über solche rückabwickelbaren Vorgänge informiert wird, zeichnet es die Bilder davon auf und markiert sie.

Interpretiert das Geschehen

So weit, so gut, aber doch immer noch nicht ungewöhnlich, denn auch das bieten inzwischen viele Hersteller von Videoüberwachungsund Kassensystemen an. Richtig spannend wird"s mit dem Modul "Kassenauswertung", mit dem das System seine eigenen Bilder interpretiert und bei Auffälligkeiten den zuständigen Mitarbeiter oder Marktleiter informiert. Hier kommt nun die komplexe Analyse auf Basis von Algorithmen zum Tragen, die bestimmte Zustände anhand von Bewegungen und Umgebungsbedingungen (beispielsweise Lichtverhältnisse) bewerten kann.

Fischer nennt ein Beispiel: "Die Software bekommt vom Kassensystem das Signal, dass es eine Kassentransaktion gab. Bewegung ist in dem Gang neben der Kasse, in dem sonst die Kunden Schlange stehen, aufrücken und ihre Waren aufs Band legen, indes nicht festzustellen. Also: "Transaktion ohne Kundschaft"." Das muss jeden Marktleiter nachdenklich stimmen " und RuViCon auch. Ob da wohl der Kassierer mal eben kurz...? Der Vorgang wird entsprechend dokumentiert und sozusagen mit einem Ausrufezeichen versehen. überßiegt der Marktleiter am Abend die Liste der fragwürdigen Vorgänge, wird er auch auf diesen stoßen und anhand der aufgezeichneten Bilder die richtigen Schlüsse ziehen können.

Das gilt auch für den umgekehrten Fall: Im Kassengang herrscht jede Menge Bewegung, doch das Signal für die Kassentransaktion bleibt aus. Auch das muss Mensch wie Software stutzig machen " Eintrag nebst Bildern im digitalen Logbuch. "Die Software kann sogar erkennen, ob ein Einkaufswagen leer oder mit Gegenständen an der Kasse vorbeigeschoben wurde. Und wenn sich in einem Markt mit offener Architektur ein Kunde von innen zum Ein- statt zum Ausgang bewegt und damit die Kassen umgeht, registriert das System die falsche Bewegungsrichtung und setzt eine Meldung ab", ergänzt Fischer. Jetzt obliegt es dem Marktleiter über die angemessene Reaktion zu entscheiden. Nur sich damit herausreden, dass der Vorgang unbemerkt bliebt, kann er nicht mehr.

Fischer: "RuViCon wird zwar nicht das Ende der Ladendetektive oder der EAS einläuten. Aber das System hat das Potenzial, die Sicherheitskonzepte für den Einzelhandel umzukrempeln."


Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3/2007 von Sicherheitshalber - Zeitschrift für Sicherheit in der Supply Chain des Handels erschienen.
 

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